Neben Füchsen, Wildkatzen, Waschbären und Mardern werden bei TIERART jedes Jahr auch eine große Anzahl an kleineren einheimischen Tieren aufgepäppelt. Winterschläfer wie Igel oder Bilche bleiben teilweise über Winter bei uns, wenn ihr Gesundheitszustand oder das Gewicht eine Auswilderung noch nicht zulassen.

Siebenschläfer

Gerade bei Siebenschläfern sind wir immer wieder erstaunt, unter welchen Umständen bzw. an welchen Orten die Kleinen gefunden werden…

Beispielsweise meldete sich ein Mann aus Pirmasens bei uns, der einen Betonmischer in München gekauft hatte. Wieder zu Hause angekommen stellte er beim Abladen der Maschine fest, dass sich darin ein Nest mit 7 winzigen Siebenschläfern befand. Die Kleinen wurden schließlich bei TIERART aufgezogen.

Eine weitere erstaunliche Geschichte erregte sogar das Interesse der örtlichen Presse…

Eine Frau wunderte sich über seltsame Geräusche in der Küche ihrer Ferienwohnung. Genauer gesagt: aus der Dunstabzugshaube kam ein lautes Fiepen. Sofort versuchte sie, die Haube auseinander zu schrauben, kam aber nicht so recht weiter. Ein hilfsbereiter Nachbar konnte die Abzugshaube jedoch schnell zerlegen und zwei kleine, vollkommen mit Fett verklebte Siebenschläfer aus dem Motor des Gebläses befreien. Welch ein Glück für die Winzlinge!

Siebenschläfer aus Dunstabzugshaube bei ihrer Ankunft

…nach einem ersten Bad sind die Kleinen schon wieder halbwegs fettfrei

…und nach ein paar Tagen sehen sie schon wieder aus wie Siebenschläfer

Hier der Bericht aus der Pirmasenser Zeitung:

Die beiden Weibchen haben sich prächtig entwickelt und konnten erfolgreich wieder ausgewildert werden.

 

Eichhörnchen

Zumeist werden kleine Eichhörnchen zu uns gebracht nachdem der Kobel zerstört wurde. Dies kann beispielsweise durch Fressfeinde wie Vögel oder Katzen passieren oder aber bei starkem Regen oder Sturm. Wenn die Mutter daraufhin die Kleinen nicht holt und an eine andere Stelle transportiert, sind die Jungtiere auf menschliche Hilfe angewiesen. In solchen Fällen landen dann direkt komplette Würfe bei TIERART und halten unsere Tierpfleger Tag und Nacht auf Trab…

So zum Beispiel in diesem Fall aus dem Frühjahr 2018:

Der Eichhörnchenkobel, welcher sich im Garten eines Wohnhauses bei Zweibrücken befand, wurde komplett von einem Eichelhäher zerstört. Vermutlich hat dieser auch Jungtiere gefressen bevor er von den Hausbewohnern vertrieben werden konnte. Diese fanden 5 blinde und nackte Babies auf der Terrasse, welche sie vorsichtig an eine erhöhte Position nahe des zerstörten Nestes zurücksetzten. Die aufgeregte Mutter befand sich zwar noch in der Nähe, holte aber leider auch nach 3 Stunden die Jungen nicht wieder ab. Aufgrund der Kälte entschied man sich, die Kleinen ins Haus zu holen. Am darauffolgenden Morgen wurden wir informiert und holten die Eichhörnchen direkt ab. Glücklicherweise waren sie über Nacht perfekt mit Wärme und Elektrolytlösung versorgt worden.
Die noch nackten Babies waren erst etwa 7 Tage alt und wogen im Schnitt 32g und wurden zunächst rund um die Uhr etwa stündlich gefüttert.

Dachs

Der Europäische Dachs (Meles meles) ist in Mitteleuropa weit verbreitet und hier nicht als gefährdet einzustufen. Obwohl die auffällige maskenartige Gesichtsfärbung stark an einen Waschbären erinnern mag, gehört der Dachs zur Familie der Marder und stellt innerhalb dieser den größten Vertreter dar. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bis zu 90cm und ein ausgewachsener Dachs kann gut 17kg schwer werden. Im Gegensatz zu anderen Marderartigen jagen Dachse nicht aktiv, sondern „sammeln“ ihre Nahrung viel mehr. Sie nutzen ein breites Nahrungsspektrum, welches ja nach Jahreszeit entweder mehr pflanzliche oder tierische Komponenten enthält. Während der feuchten Frühjahrsmonate können beispielsweise Regenwürmer bis zur Hälfte der gesamten Nahrung des Dachses ausmachen. Zur trockenen Sommer- und Herbstzeit, wenn diese kaum verfügbar sind, weicht er auf andere Nahrungsquellen aus. Es werden u.a. Käfer, Larven, Beeren und Fallobst, hin und wieder auch Gelege von Bodenbrütern, sowie kleinere Reptilien und Nager gefressen.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Dachse leben meist abseits von Siedlungen sehr zurückgezogen in strukturreichen Landschaften mit Heckenbereichen und Gehölzen oder Wäldern mit ausgeprägter Strauchschicht, so dass man sie in der Regel selten zu Gesicht bekommt. Sie sind perfekt daran angepasst, einen Großteil ihres Lebens unter der Erde zu verbringen. Ihre kurzen kräftigen Beine mit den breiten Pfoten eignen sich hervorragend für das Graben von Erdbauten. Die Krallen der Vorderpfoten sind nach unten gebogenen speziell zu diesem Zweck sogar mehr als doppelt so lang wie die der Hinterpfoten ausgebildet. Die ausgedehnten unterirdischen Röhrensysteme der Dachsbauten werden meist in Hänge gegraben und nicht selten sogar mit Rotfüchsen geteilt. Dachse leben in Familien zusammen, die aus den Elterntieren, sowie dem jährlichen Nachwuchs und den Jungtieren des vergangenen Jahres bestehen. Die Bauten werden oft über viele Jahrzehnte hinweg genutzt, wobei jede Generation weitere Kammern und Gänge hinzufügt.  So können weitläufige unterirdische Gangsysteme aus mehreren Etagen entstehen, die über diverse Ein- und Ausgänge, sowie Gänge zur Luftzufuhr verfügen. In etwa 5 m Tiefe befindet sich meist der „Wohnkessel“, der mit trockenem Laub, Moos oder Farn ausgepolstert wird. Dieses Material wird regelmäßig zu Beginn des Frühjahres, wenn die Winterruhe beendet ist, gegen neues ausgetauscht – der Dachs macht dann sozusagen „Frühjahrsputz“.

Dachse sind in der Regel äußerst scheu. Sieht man sie bei Tage umherirren, kann dies darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt. Im Zweifel sollte man unbedingt eine Wildtierstation kontaktieren und nicht unüberlegt selbst handeln und versuchen, das Tier einzufangen. Dachse sind nämlich äußerst wehrhaft und können extrem fest zubeißen. Ihr etwas plumpes oder tapsig anmutendes Äußeres täuscht!

Bei TIERART konnten in den vergangenen Jahren immer wieder verwaiste oder verletzte Jungtiere aufgenommen werden. Im Frühjahr 2019 war ein junger Dachs beispielsweise orientierungslos alleine auf einer stark befahrenen Straße entdeckt worden. Das geschwächte Tier von etwa 12 Wochen wurde umgehend zu TIERART gebracht und dort fachkundig versorgt. Glücklicherweise konnte bis auf Dehydrierung keine Verletzung festgestellt werden und der kleine Dachs erholte sich schnell. Nach einigen Wochen wird er schließlich wieder ausgewildert werden können.

Bei der Aufzucht ist es sehr wichtig, dass die Dachse vor der Wiederauswilderung ihre natürliche Scheu zurückerlangen, um spätere Konflikte aufgrund einer möglichen Fehlprägung auf den Menschen zu vermeiden. Von Vorteil ist die Aufzucht in Gesellschaft von Artgenossen, damit die Tiere sich untereinander sozialisieren und ihr natürliches Verhalten bestmöglich ausleben können. Wichtig sind außerdem Versteckmöglichkeiten und Rückzugsbereiche, wo die Dachse ungestört sind. Bei TIERART stehen hierfür mehrere speziell angepasste Gehege zur Verfügung. Einer erfolgreichen Wiederauswilderung im Spätsommer steht nichts im Wege.